Unternehmenssteuerung gestalten und Verantwortung übernehmen – eins geht nicht ohne das andere?
Im Controlling steigen die Anforderungen: Entscheidungen müssen schneller getroffen, Unsicherheiten besser eingeordnet und unterschiedliche Perspektiven integriert werden. Damit wächst die Erwartung an das Controlling, nicht nur Transparenz zu schaffen, sondern aktiv zur Steuerung beizutragen.
Ob und in welchem Maß dies gelingt, hängt jedoch nicht allein von Strukturen, Systemen oder Prozessen ab. Entscheidend ist auch die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen – für Inhalte, für Bewertungen und für die Konsequenzen daraus.
Daraus ergeben sich zentrale Fragestellungen für die Rolle des Controllings:
- Wo beginnt Verantwortung im Controlling – und wo endet sie?
- In welchen Situationen ist es notwendig, über die Rolle des „Business Partners“ hinauszugehen und klar auch konträre Position zu beziehen?
- Wird vom Controlling heute tatsächlich erwartet, Verantwortung zu übernehmen – oder bleibt die letztliche Entscheidung bewusst im Management verankert?
- Welche Risiken entstehen, wenn Controlling Verantwortung vermeidet – und welche, wenn es sie aktiv übernimmt?
- Welche Rahmenbedingungen müssen Unternehmen schaffen, damit Controllerinnen und Controller Verantwortung übernehmen können und dürfen?
- Verändert sich das Rollenverständnis des Controllings wirklich durch neue Technologien – oder sind es andere Ursachen?
Wie ist Ihre Meinung dazu, was sind Ihre Erfahrungen? Wir freuen uns auf die Diskussion mit Ihnen!

Guido Kleinhietpaß ist ICV-Vorstandsmitglied sowie Trainer und Consultant bei der CA controller akademie. Seit vielen Jahren begleitet er Unternehmen bei der Weiterentwicklung von Finance und Controlling – insbesondere an der Schnittstelle von Steuerung, Organisation und Veränderung.
Beiträge zur These 3
Aus unserer Sicht beginnt Verantwortung im Controlling dort, wo aus Daten belastbare Entscheidungsgrundlagen werden.
Seit über 30 Jahren arbeiten wir mit Controllerinnen und Controllern an BI- und Steuerungslösungen. Dabei sehen wir immer wieder:
Gute Unternehmenssteuerung entsteht nicht allein durch Systeme, Reports oder KPIs.
Das Problem dabei ist: Transparenz ohne Einordnung schafft noch keine Steuerung.
Verantwortung bedeutet für das Controlling, Entwicklungen einzuordnen, Risiken klar zu benennen und auch unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Die Entscheidung bleibt zwar beim Management, aber die Verantwortung für die Qualität der Entscheidungsgrundlage liegt beim Controlling.
Gerade mit KI und modernen BI-Technologien wird diese Rolle wichtiger, nicht kleiner. Denn je einfacher Daten verfügbar werden, desto wertvoller werden Urteilsvermögen, Einordnung und Verantwortung.
Thomas Bauer, Geschäftsführer MCG
Danke für den Impuls. Ich teile den Punkt: Systeme, Reports und KPIs sind wichtige Grundlagen – aber sie ersetzen keine steuerungsrelevante Einordnung.
Für mich liegt die Verantwortung des Controllings genau dort: aus Transparenz Orientierung zu machen. Nicht durch mehr Daten, sondern durch begründete Bewertung, klare Zielkonflikte und den Mut, auch unbequeme Konsequenzen anzusprechen. –> Gerade deshalb wird Urteilsvermögen wichtiger – nicht trotz, sondern wegen BI und KI.
Guido Kleinhietpaß, ICV-Vorstandsmitglied

