KI in der Nachhaltigkeitsberichterstattung: Klare Governance als Erfolgsfaktor

Klare Regeln für einen verantwortungsvollen KI-Einsatz

von Mike Schulze / Steffen Stadler / Alexander Glöckner

Künstliche Intelligenz (KI) bietet großes Potenzial für die Nachhaltigkeitsberichterstattung. Damit Unternehmen sie zuverlässig und prüfungssicher einsetzen können, braucht es jedoch klare Regeln, definierte Verantwortlichkeiten und transparente Prozesse. Besonders beim Umgang mit sensiblen Unternehmens-, Lieferanten- und Personendaten sind verbindliche Vorgaben unerlässlich.

Ein risikoorientierter Ansatz hilft dabei, den Kontrollaufwand an den jeweiligen Anwendungsfall anzupassen. Während die sprachliche Überarbeitung eines Textes ein geringeres Risiko darstellt, erfordern KI-gestützte Berechnungen von Emissionsdaten oder die Bewertung von Lieferantenrisiken deutlich strengere Kontrollen und eine umfassende Dokumentation.

Fünf Leitfragen für den prüfungssicheren Einsatz

Unternehmen sollten vor der Nutzung von KI fünf zentrale Fragen klären:

  • Zweck: Welche Aufgabe soll die KI übernehmen?
  • Datenbasis: Sind die verwendeten Daten vollständig, aktuell und freigegeben?
  • Nachvollziehbarkeit: Können Dritte die Ergebnisse fachlich und rechnerisch überprüfen?
  • Kontrolle: Wer prüft, dokumentiert und genehmigt die Ergebnisse?
  • Prüfungsrelevanz: Beeinflusst der KI-Einsatz berichtspflichtige Angaben oder prüfungsrelevante Nachweise?

Diese Fragen bilden die Grundlage für einen transparenten und belastbaren KI-Einsatz.

Wie Unternehmen den Einstieg gestalten können

Der Einsatz von KI sollte schrittweise und strukturiert erfolgen. Am Anfang stehen eine Bestandsaufnahme bestehender Anwendungen und die Identifikation geeigneter Pilotprojekte. Besonders sinnvoll sind Aufgaben mit hohem manuellem Aufwand, guter Datenverfügbarkeit und überschaubarem Risiko, etwa die Dokumentensichtung, Datenklassifikation, Plausibilitätsprüfung oder das Benchmarking.

Darüber hinaus benötigen Unternehmen verbindliche Mindeststandards für den Datenschutz, die Qualitätssicherung, die Kennzeichnung KI-generierter Inhalte und die menschliche Kontrolle. Interdisziplinäre Teams aus Fach- und Technologieexperten helfen dabei, die Ergebnisse angemessen zu bewerten und die eingesetzten Werkzeuge sicher zu nutzen.

Entscheidend ist, die Prüfbarkeit von Anfang an mitzudenken. KI-gestützte Ergebnisse müssen dokumentiert, nachvollziehbar und reproduzierbar sein. Die Verantwortung für die fachliche Bewertung und Freigabe bleibt beim Unternehmen.

Wo KI einen konkreten Mehrwert schafft

Besonders bei Recherche- und Plausibilisierungsaufgaben kann KI die Nachhaltigkeitsberichterstattung effizienter gestalten. Beispielsweise lassen sich Wettbewerbsanalysen auf Basis öffentlich verfügbarer Daten automatisieren oder eigene Berechnungen durch unabhängige Vergleichswerte überprüfen.

Auch bei schwer einzuordnenden Kennzahlen, etwa zu CO₂-Äquivalenten, kann KI helfen, unrealistische Größenordnungen zu erkennen. Voraussetzung ist, dass die Ergebnisse kritisch geprüft und ihre Herleitung nachvollziehbar dokumentiert werden. Das gilt für KI-Anwendungen ebenso wie für klassische Tabellenkalkulationen.

Fazit: KI nutzen, Verantwortung behalten

KI kann die Nachhaltigkeitsberichterstattung beschleunigen, Analysen verbessern und Berichtsteams entlasten. Sie ersetzt jedoch weder verlässliche Daten noch klare Prozesse und fachliche Urteilskraft.

Mit steigender KI-Nutzung gewinnen Governance, Transparenz, Kontrolle und Dokumentation weiter an Bedeutung. Insbesondere im Kontext der verpflichtenden CSRD-Prüfung müssen Unternehmen sicherstellen, dass KI-gestützte Prozesse von Beginn an prüfbar sind.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, KI als strategisches Werkzeug einzusetzen, ohne die Verantwortung aus der Hand zu geben. So kann aus ersten Experimenten ein nachhaltiger Produktivitätsgewinn für Nachhaltigkeitsteams, Controller, Berichtersteller und Prüfer entstehen.