Gesundheitstagung Schweiz 2026
Gesundheitssteuerung unter Druck: Tarife, Transformation und Transparenz im Fokus

Wie können Gesundheitsorganisationen unter wachsendem Kosten-, Tarif- und Transformationsdruck handlungsfähig bleiben? Diese Frage zog sich wie ein roter Faden durch die Gesundheitstagung Schweiz 2026, die am 12. Mai in Rapperswil stattfand. Deutlich wurde dabei vor allem eines: Gesundheitssteuerung braucht heute weit mehr als klassisches Reporting. Gefragt sind klare Prioritäten, belastbare Daten, funktionierende Governance-Strukturen und die Fähigkeit, Veränderungen wirksam umzusetzen.
Zu den zentralen Erkenntnissen der Tagung gehörten:
- Steuerung darf sich nicht in Kennzahlen verlieren, sondern muss strategisch relevante Grössen in den Mittelpunkt stellen.
- Datenqualität, Data Governance und Datenkompetenz werden zunehmend zur Voraussetzung wirksamer Führung.
- Die neuen Tariflogiken rund um TARDOC und ambulante Pauschalen sind nicht nur Abrechnungsthemen, sondern greifen tief in Prozesse und Organisationen ein.
- Governance, Risikomanagement und klare Verantwortlichkeiten gewinnen auch im Gesundheitswesen massiv an Bedeutung.
- Besonders gefragt sind praxisnahe Austauschformate, die aktuelle Herausforderungen offen diskutierbar machen.
Am 12. Mai 2026 fand in Rapperswil die Gesundheitstagung Schweiz 2026 statt. Die Veranstaltung wurde gemeinsam vom Institut für Finance und Law der OST – Ostschweizer Fachhochschule und dem Internationaler Controller Verein (ICV) durchgeführt. Unter dem Leitthema „Gesundheitssteuerung unter Druck: Tarife, Transformation, Transparenz“ diskutierten Fach- und Führungskräfte aus Gesundheitsinstitutionen, Controlling, Finanzmanagement, Unternehmensentwicklung und Beratung aktuelle Herausforderungen der Steuerung im Schweizer Gesundheitswesen.
Mit rund 50 Teilnehmenden war die Tagung sehr gut besucht. Die hohe Beteiligung und die lebhaften Diskussionen zeigten eindrücklich, wie relevant die Themen Tarifentwicklung, Leistungsdruck, Investitionsbedarf, Datenqualität, Governance und Prozesssteuerung für Gesundheitsorganisationen derzeit sind.
Bereits die Eröffnung machte deutlich: Gesundheitsorganisationen benötigen heute eine Steuerungsfähigkeit, die Entscheidungen unter Unsicherheit vorbereitet, Prioritäten sichtbar macht und Veränderungen wirksam in der Organisation verankert.
Den Auftakt bildete René Heule, CFO der Asana Gruppe AG, mit seinem Vortrag „Controlling von Regionalspitälern: Tarife, Leistungsdruck, Investitionsstau – was wir wirklich steuern können“. Er zeigte anhand der Situation von Regionalspitälern, wie anspruchsvoll die Balance zwischen Leistungsauftrag, Kostendruck, Investitionsbedarf, Datenanforderungen und begrenztem Handlungsspielraum geworden ist. Besonders deutlich wurde dabei: Die Steuerung im Spital darf sich nicht in einer Vielzahl von Kennzahlen verlieren. Entscheidend sind vielmehr strategisch relevante Steuerungsgrössen, rollierende Forecasts, Kapazitäts- und Leistungssteuerung sowie eine stärkere Verbindung von Qualität, Wirtschaftlichkeit und Führung.
Anschliessend gab Reto Greber, Leiter Group Controlling der Schweizer Paraplegiker-Gruppe, einen praxisnahen Einblick in Business Intelligence im Gesundheitswesen. Unter dem Titel „Komplexität meistern, Transparenz schaffen“ zeigte er, wie BI-Lösungen helfen können, Daten aus unterschiedlichen Systemen, Gesellschaften und Geschäftsbereichen zusammenzuführen. Sein Beitrag machte deutlich, dass Datenqualität, Data Governance, Datensicherheit, Datenkultur und Datenkompetenz die Grundlage für wirksame Führung und für den erfolgreichen Einsatz neuer Technologien bilden.
Ein besonderes Highlight der Tagung war das interaktive Fishbowl-Format „Willkommen in der Controlling-Notaufnahme!“. Dieses stiess bei den Teilnehmenden auf besonders grosse Resonanz. Der offene und praxisnahe Austausch machte aktuelle „Schmerzpunkte“ des Gesundheitscontrollings sichtbar – von Tarifunsicherheit über Datenqualität und Systembrüche bis hin zur Frage, wie Controlling unter Druck wirksam bleiben kann.
Gerade die Verbindung aus fachlicher Tiefe, Interaktion und unmittelbarer Praxiserfahrung wurde von den Teilnehmenden sehr geschätzt.
Im weiteren Verlauf richtete Isabella Arndorfer, Expertin für Internal Audit und Corporate Governance, den Blick auf die Frage, was Spitäler von Zentralbanken und Bankenkrisen über Aufsicht, Verantwortung und Krisenfestigkeit lernen können. Ihr Referat „Corporate Governance unter Druck“ verdeutlichte, dass Vertrauen, Risikomanagement, klare Verantwortlichkeiten, strategische Fokussierung und eine funktionierende Kontrollkultur nicht nur im Finanzsektor, sondern auch im Gesundheitswesen entscheidende Voraussetzungen für Stabilität und Zukunftsfähigkeit sind.
Den fachlichen Abschluss bildete Manuel Schmid, Geschäftsführer der Parametrix HPC GmbH, mit seinem Beitrag zu den Herausforderungen von TARDOC und ambulanten Pauschalen im Alltag. Er zeigte auf, dass die neuen Tariflogiken nicht nur eine technische oder abrechnungsspezifische Frage darstellen, sondern ein Management- und Prozessthema sind. Rückweisungen, unterschiedliche Erwartungen der Garanten, XML-Anforderungen und die Interpretation integrierter Leistungen machen deutlich, dass Organisationen ihre Abrechnungsketten, Parametrisierungen und Steuerungsprozesse systematisch weiterentwickeln müssen.
Die Gesundheitstagung Schweiz 2026 zeigte insgesamt eindrücklich: Die Zukunft des Gesundheitswesens entscheidet sich nicht allein über Tarife, Technologien oder Regulierungen. Entscheidend ist die Fähigkeit, Transparenz herzustellen, Verantwortung zu klären, Daten sinnvoll zu nutzen und Organisationen so zu steuern, dass Qualität, Wirtschaftlichkeit und Resilienz gemeinsam gedacht werden.
Ein herzlicher Dank gilt allen Referierenden, Diskutierenden, Teilnehmenden, Sponsoren und dem Organisationsteam. Die positive Resonanz, die engagierten Diskussionen und insbesondere die grosse Beliebtheit des Fishbowl-Formats bestätigten den Wert eines offenen, praxisorientierten Austauschs zwischen Hochschule, Berufsverband und Gesundheitswirtschaft.

