Biodiversitätsanalyse als Resilienzfaktor

Biodiversitätsanalyse als Resilienzfaktor

von Andrea Kämmler-Burrak / Mike Schulze / Paul Meurer

Wie Unternehmen Biodiversitätsrisiken systematisch analysieren und in die Steuerung integrieren

Biodiversität als strategische Herausforderung

Biodiversität und Ökosysteme gewinnen durch regulatorische Anforderungen, insbesondere den Nachhaltigkeitsstandard ESRS E4, zunehmend an Bedeutung. Unternehmen müssen ihre Auswirkungen und Abhängigkeiten sowie daraus resultierende Risiken und Chancen analysieren und transparent berichten.

Über die Berichtspflichten hinaus trägt Biodiversitätsmanagement dazu bei, Risiken zu reduzieren, stabile Geschäftsmodelle zu sichern und die langfristige Resilienz zu stärken.

Nutzen und Grundlagen der Biodiversitätsanalyse

Biodiversitätsanalysen betrachten zwei Perspektiven:

  • Outside-in: Abhängigkeiten von Ökosystemleistungen wie Wasserverfügbarkeit, Bodenfruchtbarkeit und Bestäubung.
  • Inside-out: Auswirkungen unternehmerischer Tätigkeiten und der Wertschöpfungskette auf Biodiversität und Ökosysteme.

Unternehmen können dabei auf bestehende Erfahrungen mit Klimarisikoanalysen zurückgreifen. Datenprozesse und Bewertungsmethoden lassen sich teilweise übertragen, müssen jedoch an die standort- und wirkungsbezogenen Besonderheiten der Biodiversität angepasst werden.

Ein Vorgehensmodell in sechs Schritten

Eine strukturierte Biodiversitätsanalyse umfasst sechs zentrale Schritte:

  1. Datenbasis aufbauen: Standorte mit externen Biodiversitätsdaten verknüpfen.
  2. Cluster bilden: Standorte, Anlagen und Aktivitäten für vergleichbare Bewertungen gruppieren.
  3. Auswirkungen identifizieren: Wesentliche Einflussfaktoren wie Landnutzungsänderungen, Ressourcenverbrauch und Verschmutzung untersuchen.
  4. Maßnahmen bewerten: Wirksamkeit, Umsetzbarkeit und Beitrag zur Risikominderung beurteilen.
  5. Resilienz analysieren: Auswirkungen auf Geschäftsmodell, Strategie und Wertschöpfung bewerten.
  6. Roadmap entwickeln: Maßnahmen, Verantwortlichkeiten und Meilensteine festlegen.

Die Zusammenarbeit von Nachhaltigkeitsmanagement, Risikomanagement, operativen Fachbereichen, Einkauf und Controlling ist dabei entscheidend.

Integration in die Unternehmenssteuerung

Damit Biodiversitätsanalysen ihren vollen Nutzen entfalten, müssen ihre Ergebnisse in bestehende Management- und Entscheidungsprozesse integriert werden. Dazu gehören insbesondere Investitionsentscheidungen, Standortbewertungen und Risikomanagement.

Ein geeignetes KPI-System umfasst drei Ebenen:

  • Expositions-KPIs: Erfassen die Betroffenheit des Unternehmens, etwa durch biodiversitätssensible Standorte.
  • Maßnahmen-KPIs: Messen den Fortschritt und die Umsetzung konkreter Maßnahmen.
  • Integrations-KPIs: Zeigen, wie stark Biodiversität in Entscheidungsprozesse eingebunden ist.

Klare Verantwortlichkeiten, nachvollziehbare Bewertungsmethoden und wiederholbare Datenprozesse sichern eine transparente und prüfungssichere Umsetzung.

Fazit: Biodiversität stärkt die Resilienz

Eine systematische Biodiversitätsanalyse erfüllt nicht nur regulatorische Anforderungen, sondern schafft eine wichtige Grundlage für fundierte Entscheidungen, wirksames Risikomanagement und langfristige Wertschöpfung.

Unternehmen, die Biodiversität frühzeitig in ihre Strategie und Steuerung integrieren, verbessern ihre Berichtsfähigkeit und stärken die Widerstandsfähigkeit ihrer Geschäftsmodelle.